PREKÄROTOPIA – Lenbachhaus München 2019

PREKÄROTOPIA

Vom utopischen Versuch gemeinsam zu verändern
Ein prekäres Singspiel von Beate Engl, Leonie Felle und Franka Kaßner

 

Ausstellungsansicht Lenbachhaus / Kunstbau, München 2019

 

PREKÄROTOPIA ist frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden Personen sind jedoch keineswegs zufällig.

Die Künstlerinnen Beate Engl, Leonie Felle und Franka Kaßner spielen Speaker, Poupée und Trickster, die im System PREKÄROTOPIA zwischen Tanzeinlage und Abrissbirne leben. Der Titel des Stücks vereint „Prekariat“ und „Utopie“ zu einer Art Kippfigur, in der zugleich Möglichkeit und Unmöglichkeit aufscheint.

Auch dramaturgisch und musikalisch ist das Stück von Gegensätzen und Brüchen gekennzeichnet: Mal individualistisch vereinzelt und misanthropisch, mal in solidarischer Euphorie gegen die bestehenden Bedingungen vereint, sind die Charaktere weder statisch noch prototypisch, sondern entwickeln sich im Laufe des Stücks – aufeinander zu und aneinander vorbei.

Die insgesamt zwölf von den Künstlerinnen komponierten und verfassten Lieder – darunter gehauchtes Chanson, agitatorischer Appell und röhrender Punksong – umreißen eine Ästhetik der politisch-ideologischen Differenz und werfen Fragen über Form und Wirkung gemeinschaftlichen politischen Handelns auf. In Anlehnung an Bertolt Brechts Definition der „Bettleroper“ als Stück für, nicht über „Bettler“ versteht sich PREKÄROTOPIA nicht als gesellschaftliche Bestandsaufnahme, sondern als Kommunikationsmittel.

PREKÄROTOPIA liegt eine unorthodoxe Interpretation des traditionellen Singspiels zugrunde. Als Singspiel gilt ein meist heiteres Schauspiel mit musikalischen Einlagen. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelte es sich zum einfacheren, bürgerlichen Gegenstück der aufwändig produzierten höfischen Oper. Die breit gestreuten Vorbilder für das Stück von Engl, Felle und Kaßner reichen vom sowjetischen Künstlertheater und linksrevolutionären Arbeiterlied der 1920er Jahre über den deutschen Revuefilm und das US-amerikanische Aqua-Musical der 1950er Jahre bis hin zu Musikvideos der Neuen Deutschen Welle.

Kuratiert von Stephanie Weber

 

 

Ausgestellte Werke:

HIERARCHIE, 2019
Holz
1040 x 265 x 500 cm

WELCOME TO PREKÄROTOPIA, 2019
Holz, Aluminium, Glühbirnen, Diamantschliffkappen, Hanfseil, DMX-Steuerung
600 x 120 x 12 cm

GLOBENORGEL, 2019
12 Globen, Mikrophonständer, Aluminium-Tape, Schellack, Orgeltastatur, Holz lackiert, Schalter, Kabel
Maße variabel, Orgelkorpus: 120 x 90 x 40 cm

BROILER, 2019
Epoxidharz, Papier, Schellack, Pflaster, Leinentape, Metallunterkonstruktion, Elektromotor
230 x 195 x 145 cm

HAND DES KAPITALS, 2018
Hand-Sessel,Schlauch, Hebehydraulik, Gewichte, Kompressor, Zeitsteuerung
120 x 120 x 220 / 400 cm

POUPÉES DISCO, 2019
Rotierende RGB-LED-Lampen, Jute-Kabel
Maße variabel

PREKÄRER EINBAU, 2019
Papier, Klebeband
650 x 327 x 442 cm

ABRISSBIRNE, 2019
Ball, Hanfseil
Durchmesser: 75 cm, Höhe variabel

SPRACHROHRE, 2019
3-teilig: Zinkblech, Nieten, Gummiprofil
ø 25 x 60 cm, ø 38 x 90 cm, ø 58 x 134 cm

DREHORGEL, 2019
Drehorgel, gestanztes Notenband, Rollwagen, Papierklebeband, Wabenplatte
130 x 80 x 58 cm, Notenband: 820 x 11 cm

PREKÄROTOPIA, 2019
Film: Adrian Campean, Hagen Keller, Felix Pflieger, Felix Press
Konzept und Schnitt: Beate Engl, Leonie Felle, Franka Kaßner
Digital 35, 16:9, 41 min.

 

ZUR WERKANSICHT / PERFORMANCE PREKÄROTOPIA

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